Weltumseglers Gangerl: „King of Bavaria“ an Riff zerschellt
Der Lebenstraum und das Lebenswerk des Rodinger Abenteurers und Weltumseglers „Gangerl“ Wolfgang Clemens ist an einem Riff an der Küste der Seychellen zerschellt. Die Eigenbau-Yacht „King of Bavaria“, die der gelernte Kunstschmied in den 1980er Jahren in mehrjähriger Arbeit am Hof seiner Schmiedewerkstatt in Mitterdorf gebaut hatte, ist gesunken, Gangerl und seine Chartergäste konnten sich retten. Wie von Bekannten in Roding zu erfahren war, sei der Gangerl „ziemlich down“.
Die Geschichte der „King of Bavaria“ begann 1975. Auf der Messe Interboot entdeckte Clemens ein Buch mit Plänen, eine Anleitung zum Selbstbau von Yachten, und er sagte sich: „Das machst du.“ Jeder Feierabend, jedes Wochenende geht für den Bootsbau drauf, zwölf Jahre lang. Neugierigen Passanten erklärte der Gangerl, er baue sich eine Mondrakete, inklusive Abschussrampe. Als das Schiff fertig war, gab der Schmied alles auf, was ihn noch mit dem bürgerlichen Leben verband. Er verkaufte seine Firma und mit einem Tieflader ging es in den Regensburger Hafen.
„Schon immer bisschen frech“
„Total nichtwissend“, sagte Clemens dem Fachmagazin „Yacht“ in einem Interview, sei er 1987 losgefahren. Seine See-Erfahrung beschränkte sich auf einen Karibik-Törn. „Ich war schon immer ein bisschen frech“, räumte er ein. Sein Weg führt ihn vom Schwarzen Meer durch das Mittelmeer. Und er macht Schlagzeilen: Die „Bavaria“ liegt in Mallorca neben einer Yacht aus Kiel. Deren Crew verleiht ihrer Abneigung gegen Segler aus Bayern Ausdruck, indem sie das Schiff mit einem Hagel aus Eiern, Tomaten und brennenden Lappen eindeckt und die Flagge zerreißt. Die Bildzeitung titelt: „Die Schlacht von Mallorca“. Nach einer sehr stürmischen Atlantiküberquerung erreicht die Yacht durch den Panamakanal den Pazifik. Immer wieder geriet der Gangerl in Situationen, in denen er „unverschämtes Glück“ hatte, wie er oft erzählte. Er besegelt den Indischen Ozean, Malaysia, Indonesien, Sumatra, die Seychellen und nimmt Chartergäste an Bord, um Geld zu verdienen.
Lockere Einstellung
Im Unterschied zu anderen „Yachties“, die sich das abenteuerliche Leben mit einem dicken Geldbeutel leisten können, ist Clemens meist knapp bei Kasse, das Schiff ist auch im Unterhalt nicht billig, etwa durch regelmäßig notwendige Überholungsarbeiten oder Hafengebühren. Auch darüber hat er im Interview geplaudert, das Magazin „Yacht“ schrieb: „Wenn andere in Rente gehen oder längst im Ruhestand sind, steht er ohne jede Altersversorgung da. „Kein Problem“, sagt er, „wer behauptet denn, dass man mit 65 nicht mehr arbeiten kann“? „Ich mach dann halt eine neue Firma auf, und fertig.“
Quelle: Mittelbayerische Zeitung vom 21.03.2007
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